Kurz bevor ich diesen Artikel fertigstellte, hörte ich von dem furchtbaren Bombenanschlag, der sich heute am Erawan-Schrein in Bangkok ereignete, und diese Nachricht bricht mir das Herz. Ich war bislang mehr als zehn Mal in Bangkok und habe 2012 auch den Erawan-Schrein besucht. Meine Gedanken sind bei all denjenigen, die von dem Anschlag betroffen sind und beim thailÀndischen Volk.

 

Wenn der Name Kanchanaburi fĂ€llt, denken die meisten Leute automatisch an die BrĂŒcke am Kwai, doch die Region hĂ€lt noch mehr bereit und ist wirklich einen Besuch wert. Sie liegt in einer idyllischen Landschaft und bietet dichten, ĂŒppig grĂŒnen, tropischen Dschungel, WasserfĂ€lle und zerklĂŒftete Kalkstein-Karstfelsen. Aber auch die dunkle Vergangenheit ist unvergessen, und man kann sich darĂŒber auf den beiden Soldatenfriedhöfen, im JEATH-Kriegsmuseum und im Thailand Burma Railway Centre informieren.

UrsprĂŒnglich hatte ich einen ein- oder zweitĂ€gigen Besuch Kanchanaburis bereits nach meiner Erkundung der Tempel von Ayutthaya im Vorjahr geplant. Doch danach war ich ziemlich kaputt und hatte außerdem eine Reise durch Nordthailand, Laos und Nordvietnam vor mir, sodass ich diesen Ausflug damals um ein Jahr nach hinten verschoben hatte.

16 Monate spĂ€ter war ich wieder in Bangkok und hatte bereits einen unterhaltsamen Flug von Frankfurt dorthin, auf dem ich neben einem portugiesischen PĂ€rchen, Marta und Ricardo, saß. Wir hatten uns jede Menge zu erzĂ€hlen und fuhren auch vom Flughafen gemeinsam in die Stadt. Die nĂ€chsten Tage verbrachte ich damit, ĂŒber den Chatuchak-Wochenendmarkt und durch Bangkoks Chinatown zu bummeln, das köstliche thailĂ€ndische Essen zu genießen und zu recherchieren, wie ich am besten nach Kanchanaburi komme.

Anders als bei meiner Reise nach Ayutthaya im Vorjahr, beschloss ich, Kanchanaburi und die BrĂŒcke am Kwai im Rahmen eines organisierten Tagesausfluges zu besuchen, den ich in einem der zahlreichen ReisebĂŒros in der Khaosan Road buchte. Von dort wurden wir frĂŒhmorgens abgeholt und mit Minibussen in die Provinz Kanchanaburi gebracht. Ich war die einzige, die alleine reiste, alle anderen machten den Ausflug als Familie, als PĂ€rchen oder mit einer Gruppe von Freunden, aber das störte mich nicht.

Besuch des Kanchanaburi-Soldatenfriedhofs:

Zuerst besichtigten wir den grĂ¶ĂŸeren der beiden Soldatenfriedhöfe, den Kanchanaburi-, auch Don Rak-Soldatenfriedhof genannt, auf dem 6.982 Kriegsgefangene begraben sind. Die meisten von ihnen waren Australier, Briten und NiederlĂ€nder, alles Opfer der japanischen Gefangenschaft. Zwischen Juni 1942 und Oktober 1943 wurden mehr als 200.000 asiatische Zwangsarbeiter und 62.000 westliche Kriegsgefangene fĂŒr den Bau der Thailand-Burma-Eisenbahn – auch als Todeseisenbahn bekannt – eingesetzt, die 415 Kilometer lang war und mitten durch den Dschungel verlief. Insgesamt starben dabei etwa 80.000 asiatische Zwangsarbeiter und 12.000 westliche Kriegsgefangene an Hunger und UnterernĂ€hrung, Krankheiten und durch UnfĂ€lle.

GlĂŒcklicherweise hatten wir genug Zeit den Friedhof auf eigene Faust zu erkunden. Er war sehr gut erhalten und sehr ruhig und friedlich, obwohl außer uns noch andere Gruppen da waren. Auf den Grabsteinen konnte ich sehen, dass die meisten der Opfer in ihren Zwanzigern oder Dreißigern, also in einem relativ jungen Alter gestorben waren. Ein Denkmal ehrt elf indische Opfer, die auf muslimischen Friedhöfen beigesetzt wurden. Außerdem gibt es noch einen chinesischen Friedhof rechts neben dem Don Rak sowie einen weiteren Soldatenfriedhof zwei Kilometer sĂŒdlich von Kanchanaburi, aber wir besichtigten nur diesen einen.

Kanchanaburi-Soldatenfriedhof Don Rak Kanchanaburi Thailand AsienDer Kanchanaburi-, auch bekannt als Don Rak-Soldatenfriedhof

Kanchanaburi-Soldatenfriedhof Don Rak Kanchanaburi Thailand AsienViele der Opfer der japanischen Gefangenschaft starben in einem sehr jungen Alter Kanchanaburi-Soldatenfriedhof Don Rak Kanchanaburi Thailand Asien

Kanchanaburi-Soldatenfriedhof Don Rak Kanchanaburi Thailand Asien

Kanchanaburi-Soldatenfriedhof Don Rak Kanchanaburi Thailand AsienEhrung der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die wÀhrend des Baus der Thailand-Burma-Eisenbahn starben

Das JEATH-Kriegsmuseum:

Als nĂ€chstes besuchten wir das JEATH-Kriegsmuseum, das sich auf dem GelĂ€nde des Wat Chai Chumphon am Mae Klong-Fluss befindet. Die AbkĂŒrzung JEATH steht fĂŒr die am Krieg beteiligten LĂ€nder Japan, England, Australien, Amerika, Thailand und Holland. Es dokumentiert das Leben der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die am Bau der Todeseisenbahn beteiligt waren.

JEATH-Kriegsmuseum Kanchanaburi Thailand AsienEin Model einer alten Eisenbahn im JEATH-Kriegsmuseum

JEATH-Kriegsmuseum Kanchanaburi Thailand AsienModelle der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die die Eisenbahn bauen mussten

JEATH-Kriegsmuseum Chai Chumphon Kanchanaburi Thailand Asien

Außerdem konnten wir ein paar EindrĂŒcke vom Wat Chai Chumphon einfangen und hatten von hier aus auch einen ersten Ausblick auf die BrĂŒcke am Kwai.

Wat Chai Chumphon Kanchanaburi Thailand AsienAuf dem GelÀnde des Wat Chai Chumphon

JEATH-Kriegsmuseum Wat Chai Chumphon Kanchanaburi Thailand AsienDort begegneten wir auch diesem Zeitgenossen

JEATH-Kriegsmuseum Wat Chai Chumphon Kanchanaburi Thailand

JEATH-Kriegsmuseum Wat Chai Chumphon Kanchanaburi Thailand Asien

Die BrĂŒcke am Kwai:

Dann gingen wir zu Fuß zur BrĂŒcke am Kwai,die durch den gleichnamigen Roman von Pierre Boulle und den Film von David Lean berĂŒhmt wurde. UrsprĂŒnglich gab es zwei BrĂŒcken, die beide von den Alliierten zerstört wurden. Die heutige BrĂŒcke wurde von einem japanischem Unternehmen wieder aufgebaut und wird immer noch von ZĂŒgen ĂŒberquert, die die Besucher auf der BrĂŒcke durch lautes Pfeifen auf sich aufmerksam machen.

BrĂŒcke am Kwai Kanchaburi Thailand AsienDie BrĂŒcke am Kwai

BrĂŒcke am Kwai Kanachanburi Thailand Asien

BrĂŒcke am Kwai Kanchanaburi Thailand Asien

Ein Bad im Sai Yok Noi-Wasserfall:

Bereits morgens hatte man uns gesagt, dass wir uns entscheiden mĂŒssten, ob wir den Tigertempel oder den Sai Yok Noi-Wasserfall besuchen und zusĂ€tzlich zu letzterem eine Fahrt mit dem Zug nach Nam Tok machen wollen. Ich möchte wirklich sehr gerne einmal Tiger außerhalb eines Zoos sehen, aber aufgrund seines negativen Rufes war mir nicht wohl bei dem Gedanken, den Tigertempel zu besuchen (vielleicht bekomme ich ja eines Tages die Gelegenheit, Tiger in freier Wildbahn in einem Nationalpark in Indien zu sehen). Deswegen hatte ich mich schon vor der Buchung der Tour fĂŒr den Sai Yok Noi-Wasserfall und die Zugfahrt entschieden.

Als wir am Sai Yok Noi-Wasserfall ankamen, sahen wir eine ganze Reihe von Einheimischen, die in den natĂŒrlichen Wasserbecken des Wasserfalls badeten und planschten, aber die Leute aus meiner Gruppe blieben draußen und beobachteten das Spektakel von nahegelegenen BĂ€nken aus. Es war ein heißer, schwĂŒler Tag und ich hatte die richtige Kleidung zum Schwimmen dabei. Als ich die Leute aus meiner Gruppe fragte, ob sie auf meine Sachen aufpassen könnten, starrten sie mich an und fragten sich vermutlich, ob ich verrĂŒckt sei in einem natĂŒrlichen Pool an einem Wasserfall zu baden, wo man den Grund nicht sehen konnte. Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten. Dies war erst der Beginn meines Abenteuers (zwei Tage spĂ€ter flog ich nach Kunming, wo meine Reise durch Yunnan und Tibet begann), und ich war nicht Tausende Kilometer gereist, um mich von anderen Leuten von den Dingen abhalten zu lassen, die ich machen wollte. Also ging ich ebenfalls schwimmen und es war sehr erfrischend und hat sich wirklich gelohnt!

Sai Yok Noi-Wasserfall Kanchanaburi Thailand Asien Sai Yok Noi-Wasserfall

Sai Yok Noi-Wasserfall Kanchanaburi Thailand AsienEinheimische beim Bad in den natĂŒrlichen Wasserbecken des Sai Yok Noi-Wasserfalls

Sai Yok Noi-Wasserfall Kanchanaburi Thailand Asien

Sai Yok Noi-Wasserfall Kanchanaburi Thailand Asien

Sai Yok Noi-Wasserfall Kanchanaburi Thailand Asien

Eine malerische Zugfahrt:

Anschließend wurden wir zum Bahnhof gebracht, wo wir den Zug bestiegen. Die Fahrt war malerisch und fĂŒhrte entlang des Flusses mit seinen Floß-HĂ€usern und -UnterkĂŒnften, durch TĂ€ler, am Hellfire Pass und an einer Gruppe von Einheimischen vorbei, die uns zuwinkten und Fotos von uns machten. NatĂŒrlich winkten wir zurĂŒck und machten unsererseits Fotos von ihnen.

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Zugfahrt Hellfire Pass Nam Tok Kanchanaburi Thailand Asien

Anschließend wurden wir zurĂŒck nach Bangkok gebracht, wo wir am frĂŒhen Abend ankamen.

Fazit:

Der Ausflug war etwas touristisch, und man kann das alles selbst organisieren, aber das kostet wesentlich mehr Zeit und Aufwand, und so viel Zeit hatte ich damals nicht. Ich hatte auch darĂŒber nachgedacht, einen Zweitagesausflug inklusive eines Besuches des Erawan-Nationalparkes zu machen, entschied mich dann jedoch fĂŒr den Tagesausflug, da ich nur zwei Tage spĂ€ter wegen meiner Reise durch Yunnan und Tibet nach Kunming flog.

Auch wenn ich seitdem noch vier Mal in Thailand war, habe ich den Erawan-Nationalpark noch nicht besichtigt, aber er steht definitiv auf meiner Liste fĂŒr einen meiner zukĂŒnftigen Besuche in Thailand.

Dieser Post ist auch verfĂŒgbar auf: Englisch