Yiheyuan ist der chinesische Name des neuen Sommerpalastes, der im Dezember 1998 zum Weltkulturerbe erkl├Ąrt wurde und im Nordwesten Pekings liegt. Kaiserliche Pavillions gab es auf dem Areal bereits im 11. Jahrhundert, die heutige Anlage stammt jedoch aus dem 18. Jahrhundert und wurde unter der Herrschaft des Mandschu-Kaisers Qianlong errichtet. Der Sommerpalast wird dennoch haupts├Ąchlich mit der Kaiserinwitwe Cixi in Verbindung gebracht, die das Reich der Mitte von 1861 bis zu ihrem Tod im Jahr 1902 regierte und die Palastanlagen 1888 sanieren lie├č, nachdem sie von ausl├Ąndischen Truppen gepl├╝ndert worden waren. Sie ist auch f├╝r den Bau des Marmorschiffs verantwortlich, das sie mit dem Geld errichten lie├č, das urspr├╝nglich f├╝r die Navy bestimmt war.

Nur ein paar hundert Meter ├Âstlich des Yiheyuan liegen die Ruinen des Yuanmingyuan, des urspr├╝nglichen alten Sommerpalastes. Er wurde im fr├╝hen 18. Jahrhundert auf Veranlassung des Qing-Kaisers Kangxi gebaut und wurde von den Europ├Ąern das chinesische Versailles genannt. Er war der gr├Â├čte royale Parkkomplex der Welt mit etwa „200 Pavillions und Tempeln, die um verschiedene Seen und nat├╝rliche Quellen gruppiert waren.“ 1860 wurde der gesamte Komplex im Zuge des zweiten Opiumkrieges von franz├Âsischen und britischen Soldaten verw├╝stet, die zuvor im Auftrag des Kaisers Xianfeng eingekerkert und gefoltert worden waren. Versuche, die Anlage wieder aufzubauen, scheiterten aufgrund von Geldmangel.

Die meisten Leute tendieren dazu, Yiheyuan, den neuen Sommerpalast zu besuchen, aber auch Yuanmingyuan, der alte Sommerpalast, ist ein beliebtes Ziel f├╝r die einheimischen Chinesen, insbesondere w├Ąhrend der Wochenenden.

Ich habe urspr├╝nglich geplant, mit der Metro bis zur Metrostation Beigongmen zu fahren und von dort bis zum Yiheyuan, dem neuen Sommerpalast, zu laufen, da es von dort nicht allzu weit sein soll, an der Rezeption sagt man mir jedoch, dass die Fahrt mit der Metro anderthalb Stunden, die Fahrt mit dem Taxi direkt zum Sommerpalast hingegen nur 40 Minuten dauern w├╝rde. Da es bereits sp├Ąter Vormittag ist und ich so schnell wie m├Âglich zum Sommerpalast m├Âchte, entscheide ich mich f├╝r das Taxi.

Wie viele seiner Kollegen spricht mein Taxifahrer kein Wort Englisch und er f├Ąhrt mit weit ge├Âffneten Fenstern, obwohl es drau├čen immer noch ziemlich kalt ist. Die Stra├čen sind v├Âllig verstopft, obwohl Samstag ist, und statt 40 Minuten dauert die Fahrt fast anderthalb Stunden, genauso lange wie ich mit der Metro gebraucht h├Ątte. Schlie├člich n├Ąhern wir uns einer Gegend, in der viele Busse parken, Menschenmassen warten oder alle in dieselbe Richtung laufen. Ich zeige dem Taxifahrer einen Zettel mit dem Namen des Sommerpalastes in chinesischen Schriftzeichen, den der Hotel Concierge mir gegeben hat. „Yiheyuan?“ frage ich. Der Taxifahrer sch├╝ttelt den Kopf. Ich entschlie├če mich, dennoch aus dem Taxi auszusteigen. Die Gegend scheint nicht ganz falsch zu sein und, f├╝r den Fall, dass dies doch nicht der neue Sommerpalast sein sollte, ist es vermutlich einfacher, ein neues Taxi zu nehmen, statt zu versuchen, ihm zu erkl├Ąren, dass er mich zum richtigen Ort fahren soll.

Ich frage eine Gruppe westlicher Touristen, ob dies Yiheyuan, der neue Sommerpalast, ist, was sie bejahen. Ich betrete die Anlage durch das Osttor. Vor mir liegt der Kunming-See, der fast dreiviertel der Fl├Ąche der Anlage des Sommerpalastes bedeckt. Viele Leute fahren Tretboot auf dem See oder ├╝berqueren die Siebzehn-Bogen Br├╝cke, die 150 Meter lang und damit die l├Ąngste Br├╝cke der Anlage ist und den Osten der Anlage und South Lake Island, auch Nanhu Island genannt, miteinander verbindet. In der Ferne kann ich den Yu Quan-H├╝gel mit der Yu Feng-Pagode sehen, was einen atemberaubenden Anblick bietet. Die meisten anderen Leute laufen durch den Wandelgang und erkunden die angrenzenden Tempel, bis sie das Marmorschiff erreichen. Ich entschlie├če mich, ein Drachenboot bis zum Marmorschiff zu nehmen und in die entgegengesetzte Richtung zu laufen.

Das Marmorschiff ist 36 Meter lang und hat einen Bootsrumpf aus Steinplatten. Es ist wirklich beeindruckend und ich lasse mir Zeit f├╝r die Besichtigung. Danach esse ich eine Suppe zum Mittagessen in einem lokalen Restaurant, die besser ist als das Mittagessen, das ich gestern in einem Einheimischenrestaurant im Himmelstempel-Park hatte. Anschlie├čend erkunde ich das Areal rund um das Marmorschiff, bevor ich den Wandelgang betrete, der am Fu├č des Longevity-H├╝gels entlangl├Ąuft. Der Wandelgang ist 728 Meter lang und umfasst 14.000 Bilder, die auf die Decke gemalt sind. Er soll die l├Ąngste bemalte Galerie der Welt sein. Legenden zufolge soll jedes unverheiratete Paar, das den Wandelgang vom einen Ende bis zum anderen durchschreitet, hinterher verlobt sein. Menschen entspannen sich entlang des Wandelgangs, der an den Palastbauten und den pr├Ąchtigen Geb├Ąuden entlangf├╝hrt. Von der Spitze des Pavillions des buddhistischen Wohlgeruchs hat man eine atemberaubende Aussicht ├╝ber die gesamte Anlage und den Kunming-See mit der Siebzehn-Bogen Br├╝cke und der Skyline Pekings in der Ferne.

Die Atmosph├Ąre im Sommerpalast in der Nebensaison oder an Wochentagen, wenn sich hier nicht so viele Menschen tummeln, muss traumhaft, friedlich und idyllisch sein. Aber am heutigen Samstag ist die Anlage ├╝berf├╝llt mit Touristen und Tourgruppen aus aller Herren L├Ąnder, die man an den jeweiligen Nationalflaggen erkennen kann, die von den Reiseleitern hochgehalten werden. Die meisten von ihnen benutzen Lautsprecher und einige machen es sogar noch schlimmer und verwenden zus├Ątzlich noch einen Verst├Ąrker. An einigen Stellen der Anlage, wo die Wege enger werden, dr├Ąngeln und schubsen die Leute und ich bin froh, als ich das Osttor erreiche, wo ich gestartet bin. Schlie├člich ├╝berquere ich die Siebzehn-Bogen Br├╝cke und erkunde Nanhu Island, bevor ich zur├╝ck zum Ausgang gehe. Dort treffe ich eine Gruppe von vier jungen westlichen Touristen, drei jungen Frauen und einem jungen Mann, die ich vorher schon in der Anlage gesehen habe. Wir kommen ins Gespr├Ąch, und da sie ebenfalls mit der Metro zur├╝ck in die Stadt fahren wollen, beschlie├čen wir zusammen zu fahren.

Sie kommen aus Kanada. Der junge Mann und eine der jungen Frauen stammen aus Edmonton, Alberta, eine kommt aus Vancouver an der kanadischen Westk├╝ste und die andere aus der Provinz Ontario im kanadischen Osten. F├╝r alle vier ist es ihr erster Aufenthalt in Asien. Sie sind am vergangenen Wochenende in Peking angekommen und sind sehr begeistert von der Stadt. Sie beabsichtigen, noch eine Zeitlang in Peking zu bleiben, anschlie├čend will der junge Mann weiter nach Xian reisen und die drei jungen Frauen beabsichtigen, nach Shanghai zu fahren. Er plant, insgesamt vier Wochen in China zu bleiben, w├Ąhrend die drei jungen Frauen sechs Wochen Zeit haben, um das Land zu entdecken.

Wir betreten die Beijing Metro an der Station Beigongmen. Die Metro ist toll und sehr g├╝nstig. Eine Fahrt kostet nur zwei Yuan, ganz egal, ob man nur eine Station f├Ąhrt oder ob man kreuz und quer durch Peking reist und dabei mehrmals die Bahn wechselt. Der junge Mann hat sich eine kostenlose Beijing Metro Map App auf sein Smartphone geladen, die fantastisch ist und das Fahren mit der Metro sehr viel einfacher macht, da sie eine Karte des gesamten Beijing Metro Systems bietet. In der Bahn sprechen wir ├╝ber unsere Pl├Ąne f├╝r die n├Ąchsten Tage. Als ich erw├Ąhne, dass ich beabsichtige, eine Hutong-Tour zu machen – eine Tour durch die alten, urspr├╝nglichen chinesischen Stadtviertel -, erz├Ąhlt der junge Mann, dass er ganz alleine eine Hutong-Tour gemacht hat. Er ist einfach in ein Hutong reingegangen und hat sich dort schon sehr bald verlaufen, fand das jedoch klasse, da er auf diese Weise eine sehr urspr├╝ngliche Seite Pekings kennengelernt hat. Die anderen drei haben ihn nicht begleitet, aber eine von ihnen plant, eine organisierte Hutong-Tour zu machen. Als wir uns an der Station Xizhimen voneinander verabschieden, sagt sie zu mir: „Hab‘ eine tolle Zeit und verlaufe Dich nicht in einem Hutong!“ Er erwidert: „Hab‘ eine tolle Zeit und verlaufe Dich in einem Hutong, weil das am meisten Spa├č mit sich bringt!“

Nachdem ich in die Linie 5 umgestiegen bin, die mich zu meiner Endhaltestelle Puhuangyu bringt, sehe ich zwei Erwachsene, die ihre Pl├Ątze f├╝r drei Kinder freimachen, die etwa drei bis f├╝nf Jahre alt sind. Tats├Ąchlich gibt es in der Bahn ein Schild, das die Fahrg├Ąste auffordert, ihre Sitze nicht nur f├╝r ├Ąltere und behinderte Menschen, sondern auch f├╝r Kinder zu r├Ąumen,┬á Die drei Kinder sitzen direkt vor mir und gucken mich die ganze Zeit an. Pl├Âtzlich sagt eines von ihnen: „I like elephants!“ und auch die anderen beiden stimmen mit ein und bekunden, was sie m├Âgen. Ich l├Ąchele sie an und erz├Ąhle ihnen, was ich toll finde. Als ich mich wieder umsehe, empf├Ąngt mich eine Welle des Wohlwollens. S├Ąmtliche Umstehenden l├Ącheln mich an und als ich an der Station Puhuangyu aussteige, verabschieden sich viele von mir.

An meiner Endhaltestelle verhandele ich mit einem der Fahrer der chinesischen Tuk Tuks ├╝ber den Preis, aber er ist nicht bereit, weniger als 10 Yuan f├╝r die Fahrt zu akzeptieren und das ist das Doppelte dessen, was ich gestern bezahlt habe. Da ich nur einen 100 Yuan-Schein im Portemonnaie habe, bin ich in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition. Ich wende mich ab und will gerade wieder nach unten in die Metrostation gehen, um dort nach dem Weg zu fragen, als mich zwei Chinesen, eine Frau und ein Mann, ansprechen: „Are you looking for your hotel, Miss?“ „Yes“, antworte ich und zeige ihnen die Visitenkarte des Hotels. „We could take you there“, bieten die beiden an. Unterwegs erz├Ąhlen sie mir von ihrem Englischkurs und wollen, als ich ihnen sage, dass ich aus Deutschland komme, alles ├╝ber das Land wissen, was besonders sehenswert ist, wann die beste Reisezeit ist, wo man das beste Bier genie├čen kann, wo die gro├če ber├╝hmte Kathedrale steht etc. Scheinbar sind sie wirklich froh, ihr Englisch praktizieren zu k├Ânnen und sie bringen mich wirklich bis zu meinem Hotel. Jetzt kenne ich auch den Weg von der Metrostation zu meinem Hotel!

Zur├╝ck in meinem Hotelzimmer sichere ich meine Fotos, trinke einen Becher Tee und lade mir die Beijing Metro Map App auf mein Smartphone, bevor ich das Hotel erneut verlasse, um den Abend im Beijing Bookworm zu verbringen. Ich nehme mir wieder ein Taxi, da man mir an der Rezeption sagt, dass ich mehr als einmal die Metro wechseln m├╝sse, was mich verunsichert, da ich meiner Erinnerung zufolge nur einmal umsteigen muss. Dieses Mal erkenne ich die Gegend, in der sich der Beijing Bookworm befindet, bereits von der Hauptstra├če aus und sage dem Fahrer, dass er mich dort rauslassen soll und laufe die letzten paar Meter. Das Lokal ist wieder gut besucht, die G├Ąste sind haupts├Ąchlich englisch sprechende Chinesen. Ich verbringe ein paar Stunden dort und genie├če den Abend. Bevor ich das Lokal verlasse, frage ich die Kellner, welches der beste und einfachste Weg ist, um zu meiner Metro-Endhaltestelle zu kommen und es stellt sich heraus, dass ich lediglich einmal umsteigen, jedoch zwei Stationen zur├╝ckfahren muss, was jedoch der einfachste Weg ist. Auf diese Weise komme ich gut und sicher zur├╝ck zu meinem Hotel.

Alle Informationen über den Sommerpalast basieren auf Loose, Stefan (2009): China. Ostfildern; http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Sommerpalast_%28Peking%29; http://de.wikipedia.org/wiki/Yuanming_Yuan; http://en.wikipedia.org/wiki/Summer_Palace; http://en.wikipedia.org/wiki/Yuanmingyuan; http://en.wikipedia.org/wiki/Kunming_Lake

Seventeen-Arch bridge in the Summer Palace complex

The Seventeen-Arch bridge

Longevity Hill

Longevity Hill

Yu Quan Hill with the Yu Feng Pagoda

Kunming Lake with the Yu Quan Hill and the Yu Feng Pagoda in the background

Marble Boat

The 36 metres long Marble Boat has a hull made of stone slabs

Picturesque Gate

Picturesque Gateway

Pavillion

Pavillion

The Pavillion of Buddhist Incense

The Pavillion of Buddhist Incense

The Long corridor

The Long corridor

Cranes are a symbol of luck

Cranes are a symbol of luck

Longevity Hill and Kunming Lake in the afternoon sun

Longevity Hill and Kunming Lake in the afternoon sun

Kunming Lake, Yu Quan Hill with the Yu Feng Pagoda in the late afternoon

Kunming Lake, Yu Quan Hill with the Yu Feng Pagoda in the late afternoon

Yiheyuan ist der chinesische Name des neuen Sommerpalastes, der im Dezember 1998 zum Weltkulturerbe erkl├Ąrt wurde und im Nordwesten Pekings liegt. Kaiserliche Pavillions gab es auf dem Areal bereits im 11. Jahrhundert, die heutige Anlage stammt jedoch aus dem 18. Jahrhundert und wurde unter der Herrschaft des Mandschu-Kaisers Qianlong errichtet. Der Sommerpalast wird dennoch haupts├Ąchlich mit der Kaiserinwitwe Cixi in Verbindung gebracht, die das Reich der Mitte von 1861 bis zu ihrem Tod im Jahr 1902 regierte und die Palastanlagen 1888 sanieren lie├č, nachdem sie von ausl├Ąndischen Truppen gepl├╝ndert worden waren. Sie ist auch f├╝r den Bau des Marmorschiffs verantwortlich, das sie mit dem Geld errichten lie├č, das urspr├╝nglich f├╝r die Navy bestimmt war.

Nur ein paar hundert Meter ├Âstlich des Yiheyuan liegen die Ruinen des Yuanmingyuan, des urspr├╝nglichen alten Sommerpalastes. Er wurde im fr├╝hen 18. Jahrhundert auf Veranlassung des Qing-Kaisers Kangxi gebaut und wurde von den Europ├Ąern das chinesische Versailles genannt. Er war der gr├Â├čte royale Parkkomplex der Welt mit etwa „200 Pavillions und Tempeln, die um verschiedene Seen und nat├╝rliche Quellen gruppiert waren.“ 1860 wurde der gesamte Komplex im Zuge des zweiten Opiumkrieges von franz├Âsischen und britischen Soldaten verw├╝stet, die zuvor im Auftrag des Kaisers Xianfeng eingekerkert und gefoltert worden waren. Versuche, die Anlage wieder aufzubauen, scheiterten aufgrund von Geldmangel.

Die meisten Leute tendieren dazu, Yiheyuan, den neuen Sommerpalast zu besuchen, aber auch Yuanmingyuan, der alte Sommerpalast, ist ein beliebtes Ziel f├╝r die einheimischen Chinesen, insbesondere w├Ąhrend der Wochenenden.

Ich habe urspr├╝nglich geplant, mit der Metro bis zur Metrostation Beigongmen zu fahren und von dort bis zum Yiheyuan, dem neuen Sommerpalast, zu laufen, da es von dort nicht allzu weit sein soll, an der Rezeption sagt man mir jedoch, dass die Fahrt mit der Metro anderthalb Stunden, die Fahrt mit dem Taxi direkt zum Sommerpalast hingegen nur 40 Minuten dauern w├╝rde. Da es bereits sp├Ąter Vormittag ist und ich so schnell wie m├Âglich zum Sommerpalast m├Âchte, entscheide ich mich f├╝r das Taxi.

Wie viele seiner Kollegen spricht mein Taxifahrer kein Wort Englisch und er f├Ąhrt mit weit ge├Âffneten Fenstern, obwohl es drau├čen immer noch ziemlich kalt ist. Die Stra├čen sind v├Âllig verstopft, obwohl Samstag ist, und statt 40 Minuten dauert die Fahrt fast anderthalb Stunden, genauso lange wie ich mit der Metro gebraucht h├Ątte. Schlie├člich n├Ąhern wir uns einer Gegend, in der viele Busse parken, Menschenmassen warten oder alle in dieselbe Richtung laufen. Ich zeige dem Taxifahrer einen Zettel mit dem Namen des Sommerpalastes in chinesischen Schriftzeichen, den der Hotel Concierge mir gegeben hat. „Yiheyuan?“ frage ich. Der Taxifahrer sch├╝ttelt den Kopf. Ich entschlie├če mich, dennoch aus dem Taxi auszusteigen. Die Gegend scheint nicht ganz falsch zu sein und, f├╝r den Fall, dass dies doch nicht der neue Sommerpalast sein sollte, ist es vermutlich einfacher, ein neues Taxi zu nehmen, statt zu versuchen, ihm zu erkl├Ąren, dass er mich zum richtigen Ort fahren soll.

Ich frage eine Gruppe westlicher Touristen, ob dies Yiheyuan, der neue Sommerpalast, ist, was sie bejahen. Ich betrete die Anlage durch das Osttor. Vor mir liegt der Kunming-See, der fast dreiviertel der Fl├Ąche der Anlage des Sommerpalastes bedeckt. Viele Leute fahren Tretboot auf dem See oder ├╝berqueren die Siebzehn-Bogen Br├╝cke, die 150 Meter lang und damit die l├Ąngste Br├╝cke der Anlage ist und den Osten der Anlage und South Lake Island, auch Nanhu Island genannt, miteinander verbindet. In der Ferne kann ich den Yu Quan-H├╝gel mit der Yu Feng-Pagode sehen, was einen atemberaubenden Anblick bietet. Die meisten anderen Leute laufen durch den Wandelgang und erkunden die angrenzenden Tempel, bis sie das Marmorschiff erreichen. Ich entschlie├če mich, ein Drachenboot bis zum Marmorschiff zu nehmen und in die entgegengesetzte Richtung zu laufen.

Das Marmorschiff ist 36 Meter lang und hat einen Bootsrumpf aus Steinplatten. Es ist wirklich beeindruckend und ich lasse mir Zeit f├╝r die Besichtigung. Danach esse ich eine Suppe zum Mittagessen in einem lokalen Restaurant, die besser ist als das Mittagessen, das ich gestern in einem Einheimischenrestaurant im Himmelstempel-Park hatte. Anschlie├čend erkunde ich das Areal rund um das Marmorschiff, bevor ich den Wandelgang betrete, der am Fu├č des Longevity-H├╝gels entlangl├Ąuft. Der Wandelgang ist 728 Meter lang und umfasst 14.000 Bilder, die auf die Decke gemalt sind. Er soll die l├Ąngste bemalte Galerie der Welt sein. Legenden zufolge soll jedes unverheiratete Paar, das den Wandelgang vom einen Ende bis zum anderen durchschreitet, hinterher verlobt sein. Menschen entspannen sich entlang des Wandelgangs, der an den Palastbauten und den pr├Ąchtigen Geb├Ąuden entlangf├╝hrt. Von der Spitze des Pavillions des buddhistischen Wohlgeruchs hat man eine atemberaubende Aussicht ├╝ber die gesamte Anlage und den Kunming-See mit der Siebzehn-Bogen Br├╝cke und der Skyline Pekings in der Ferne.

Die Atmosph├Ąre im Sommerpalast in der Nebensaison oder an Wochentagen, wenn sich hier nicht so viele Menschen tummeln, muss traumhaft, friedlich und idyllisch sein. Aber am heutigen Samstag ist die Anlage ├╝berf├╝llt mit Touristen und Tourgruppen aus aller Herren L├Ąnder, die man an den jeweiligen Nationalflaggen erkennen kann, die von den Reiseleitern hochgehalten werden. Die meisten von ihnen benutzen Lautsprecher und einige machen es sogar noch schlimmer und verwenden zus├Ątzlich noch einen Verst├Ąrker. An einigen Stellen der Anlage, wo die Wege enger werden, dr├Ąngeln und schubsen die Leute und ich bin froh, als ich das Osttor erreiche, wo ich gestartet bin. Schlie├člich ├╝berquere ich die Siebzehn-Bogen Br├╝cke und erkunde Nanhu Island, bevor ich zur├╝ck zum Ausgang gehe. Dort treffe ich eine Gruppe von vier jungen westlichen Touristen, drei jungen Frauen und einem jungen Mann, die ich vorher schon in der Anlage gesehen habe. Wir kommen ins Gespr├Ąch, und da sie ebenfalls mit der Metro zur├╝ck in die Stadt fahren wollen, beschlie├čen wir zusammen zu fahren.

Sie kommen aus Kanada. Der junge Mann und eine der jungen Frauen stammen aus Edmonton, Alberta, eine kommt aus Vancouver an der kanadischen Westk├╝ste und die andere aus der Provinz Ontario im kanadischen Osten. F├╝r alle vier ist es ihr erster Aufenthalt in Asien. Sie sind am vergangenen Wochenende in Peking angekommen und sind sehr begeistert von der Stadt. Sie beabsichtigen, noch eine Zeitlang in Peking zu bleiben, anschlie├čend will der junge Mann weiter nach Xian reisen und die drei jungen Frauen beabsichtigen, nach Shanghai zu fahren. Er plant, insgesamt vier Wochen in China zu bleiben, w├Ąhrend die drei jungen Frauen sechs Wochen Zeit haben, um das Land zu entdecken.

Wir betreten die Beijing Metro an der Station Beigongmen. Die Metro ist toll und sehr g├╝nstig. Eine Fahrt kostet nur zwei Yuan, ganz egal, ob man nur eine Station f├Ąhrt oder ob man kreuz und quer durch Peking reist und dabei mehrmals die Bahn wechselt. Der junge Mann hat sich eine kostenlose Beijing Metro Map App auf sein Smartphone geladen, die fantastisch ist und das Fahren mit der Metro sehr viel einfacher macht, da sie eine Karte des gesamten Beijing Metro Systems bietet. In der Bahn sprechen wir ├╝ber unsere Pl├Ąne f├╝r die n├Ąchsten Tage. Als ich erw├Ąhne, dass ich beabsichtige, eine Hutong-Tour zu machen – eine Tour durch die alten, urspr├╝nglichen chinesischen Stadtviertel -, erz├Ąhlt der junge Mann, dass er ganz alleine eine Hutong-Tour gemacht hat. Er ist einfach in ein Hutong reingegangen und hat sich dort schon sehr bald verlaufen, fand das jedoch klasse, da er auf diese Weise eine sehr urspr├╝ngliche Seite Pekings kennengelernt hat. Die anderen drei haben ihn nicht begleitet, aber eine von ihnen plant, eine organisierte Hutong-Tour zu machen. Als wir uns an der Station Xizhimen voneinander verabschieden, sagt sie zu mir: „Hab‘ eine tolle Zeit und verlaufe Dich nicht in einem Hutong!“ Er erwidert: „Hab‘ eine tolle Zeit und verlaufe Dich in einem Hutong, weil das am meisten Spa├č mit sich bringt!“

Nachdem ich in die Linie 5 umgestiegen bin, die mich zu meiner Endhaltestelle Puhuangyu bringt, sehe ich zwei Erwachsene, die ihre Pl├Ątze f├╝r drei Kinder freimachen, die etwa drei bis f├╝nf Jahre alt sind. Tats├Ąchlich gibt es in der Bahn ein Schild, das die Fahrg├Ąste auffordert, ihre Sitze nicht nur f├╝r ├Ąltere und behinderte Menschen, sondern auch f├╝r Kinder zu r├Ąumen,┬á Die drei Kinder sitzen direkt vor mir und gucken mich die ganze Zeit an. Pl├Âtzlich sagt eines von ihnen: „I like elephants!“ und auch die anderen beiden stimmen mit ein und bekunden, was sie m├Âgen. Ich l├Ąchele sie an und erz├Ąhle ihnen, was ich toll finde. Als ich mich wieder umsehe, empf├Ąngt mich eine Welle des Wohlwollens. S├Ąmtliche Umstehenden l├Ącheln mich an und als ich an der Station Puhuangyu aussteige, verabschieden sich viele von mir.

An meiner Endhaltestelle verhandele ich mit einem der Fahrer der chinesischen Tuk Tuks ├╝ber den Preis, aber er ist nicht bereit, weniger als 10 Yuan f├╝r die Fahrt zu akzeptieren und das ist das Doppelte dessen, was ich gestern bezahlt habe. Da ich nur einen 100 Yuan-Schein im Portemonnaie habe, bin ich in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition. Ich wende mich ab und will gerade wieder nach unten in die Metrostation gehen, um dort nach dem Weg zu fragen, als mich zwei Chinesen, eine Frau und ein Mann, ansprechen: „Are you looking for your hotel, Miss?“ „Yes“, antworte ich und zeige ihnen die Visitenkarte des Hotels. „We could take you there“, bieten die beiden an. Unterwegs erz├Ąhlen sie mir von ihrem Englischkurs und wollen, als ich ihnen sage, dass ich aus Deutschland komme, alles ├╝ber das Land wissen, was besonders sehenswert ist, wann die beste Reisezeit ist, wo man das beste Bier genie├čen kann, wo die gro├če ber├╝hmte Kathedrale steht etc. Scheinbar sind sie wirklich froh, ihr Englisch praktizieren zu k├Ânnen und sie bringen mich wirklich bis zu meinem Hotel. Jetzt kenne ich auch den Weg von der Metrostation zu meinem Hotel!

Zur├╝ck in meinem Hotelzimmer sichere ich meine Fotos, trinke einen Becher Tee und lade mir die Beijing Metro Map App auf mein Smartphone, bevor ich das Hotel erneut verlasse, um den Abend im Beijing Bookworm zu verbringen. Ich nehme mir wieder ein Taxi, da man mir an der Rezeption sagt, dass ich mehr als einmal die Metro wechseln m├╝sse, was mich verunsichert, da ich meiner Erinnerung zufolge nur einmal umsteigen muss. Dieses Mal erkenne ich die Gegend, in der sich der Beijing Bookworm befindet, bereits von der Hauptstra├če aus und sage dem Fahrer, dass er mich dort rauslassen soll und laufe die letzten paar Meter. Das Lokal ist wieder gut besucht, die G├Ąste sind haupts├Ąchlich englisch sprechende Chinesen. Ich verbringe ein paar Stunden dort und genie├če den Abend. Bevor ich das Lokal verlasse, frage ich die Kellner, welches der beste und einfachste Weg ist, um zu meiner Metro-Endhaltestelle zu kommen und es stellt sich heraus, dass ich lediglich einmal umsteigen, jedoch zwei Stationen zur├╝ckfahren muss, was jedoch der einfachste Weg ist. Auf diese Weise komme ich gut und sicher zur├╝ck zu meinem Hotel.

Alle Informationen über den Sommerpalast basieren auf Loose, Stefan (2009): China. Ostfildern; http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Sommerpalast_%28Peking%29; http://de.wikipedia.org/wiki/Yuanming_Yuan; http://en.wikipedia.org/wiki/Summer_Palace; http://en.wikipedia.org/wiki/Yuanmingyuan; http://en.wikipedia.org/wiki/Kunming_Lake

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