Die meisten Leute denken bei Samarkand automatisch an den Registan, insbesondere diejenigen, die noch nicht dort waren. Das Wahrzeichen¬†der Stadt¬†mit seinen drei Medresen und seinen Minaretten, den aufw√§ndigen Verzierungen¬†und seinen sch√∂nen Innenh√∂fen, ist wahrhaft majest√§tisch. Doch Samarkand hat noch so viel mehr zu bieten. Das Gur-E-Amir Mausoleum mit seiner blauen Kuppel, den beiden Minaretten und dem wundersch√∂nen, aufw√§ndig gestalteten, vergoldeten Innenraum. Den lebhaften usbekischen Siyob-Basar, wo man frisches Obst und Gem√ľse, Trockenfr√ľchte, N√ľsse, Gew√ľrze und das typische usbekische Nan-Brot bekommt. Die Bibi Chanum-Moschee, die fr√ľher einmal der pr√§chtigste Moschee-Komplex¬†der islamischen Welt¬†gewesen sein soll. Das Bibi Chanum-Mausoleum, wo Bibi Chanum und vier ihrer Verwandten begraben sein sollen. Die prachtvolle Stra√üe der Mausoleen, Shah-i-Zinda, mit ihren zahlreichen Kuppeln und Mausoleen. Dies alles sind die Juwelen von Samarkand und sie machen die Stadt zu einem magischen Ort. Ihretwegen ist das historische Zentrum Samarkands auch als „Schnittpunkt der Weltkulturen“ in das Welterbe der UNESCO aufgenommen worden.

Wir kamen in Samarkand, aus Taschkent kommend, am sp√§ten Nachmittag an. Nachdem wir in unser Hotel eingecheckt hatten, fuhren wir direkt zum Registan, dem ber√ľhmtesten Bauwerk der Stadt. Dort,¬†in der Nachmittagssonne, lag es vor uns, und es war noch viel sch√∂ner und beeindruckender als ich es mir vorgestellt hatte. Auf seiner Westseite lag die Ulugbek-Medrese, in der Mitte die Tillakori-Medrese und auf der Ostseite die Sherdor-Medrese. Eine Medrese ist eine Koranschule, wo fr√ľher nur die reichen S√∂hne der Stadt ausgebildet wurden. Als wir uns dem Registan n√§herten, sahen wir, wieviel Gl√ľck wir hatten. Auf der Aussichtsplattform vor dem Registan posierte ein Hochzeitspaar f√ľr Fotos. Es wirkte wie eine Szene aus einem M√§rchen. Ich wusste, dass der Registan Usbekistans beliebtester Ort f√ľr Hochzeitsfotos ist, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dort selbst ein Hochzeitspaar anzutreffen. Weder die Frischverm√§hlten noch ihre Hochzeitsg√§ste hatten etwas dagegen, dass wir Fotos von ihnen machten, ganz im Gegenteil. Sie wollten ihrerseits Fotos von uns machen und posierten f√ľr unsere Fotos.

Hochzeitsgesellschaft vor dem Registan

Die Juwelen von Samarkand - Hochzeitsgesellschaft vor dem Registan Die Juwelen von Samarkand - Hochzeitsgesellschaft vor dem Registan

Hochzeitspaar vor dem Registan 

Der Registan mit der Ulugbek-Medrese (links), der Tillakori-Medrese (Mitte) und der Sherdor-Medrese (rechts)

The Jewels of Samarkand - our group in front of the RegistanUnsere Gruppe vor dem Registan

Pilaw-Kochvorf√ľhrung und Abendessen

Danach wurden mit unserem privaten Bus zum Haus einer einheimischen usbekischen Familie gebracht, wo wir eine Pilaw-Kochvorf√ľhrung genossen. Usbekisches Pilaw ist ein einheimisches Gericht, das aus Reis, Lamm, Zwiebeln, H√ľhnerbr√ľhe, M√∂hren, Kichererbsen, Korinthen, Kreuzk√ľmmel, Koriander, Chilischoten und Sternanis zubereitet wird. Als wir beim Haus unserer Gastfamilie ankamen war im Innenhof bereits ein langer Tisch f√ľr uns gedeckt und ein Kochbereich vorbereitet. Zun√§chst gab uns unsere usbekische Tourleaderin Guly eine Einf√ľhrung in die Zutaten, bevor unsere Gastgeber begannen, das Pilaw vor unseren Augen zuzubereiten. W√§hrend das Gericht vor sich hin k√∂chelte, servierten uns unsere Gastgeber eine gr√∂√üere Auswahl an Vorspeisen. Als das Pilaw fertig war, waren wir bereits ziemlich satt, aber nat√ľrlich genossen wir das usbekische Nationalgericht, dem¬†frisches Obst als Nachtisch folgte.

Die Juwelen von Samarkand - Pilaw-Kochvorf√ľhrung und Abendessen - Unser sch√∂n gedeckter Tisch bei unserer usbekischen GastfamilieUnser sch√∂n gedeckter Tisch bei unserer usbekischen Gastfamilie

Die Juwelen von Samarkand - Pilaw-Kochvorf√ľhrung und Abendessen - VorspeisenVorspeisen

Die Juwelen von Samarkand - Pilaw-Kochvorf√ľhrung und Abendessen - Zutaten und Gew√ľrze f√ľr das PilawZutaten und Gew√ľrze f√ľr das Pilaw

Die Juwelen von Samarkand - Pilaw-Kochvorf√ľhrung und Abendessen

Die Juwelen von Samarkand - Pilaw-Kochvorf√ľhrung - Unsere Gastgeberin bei der Zubereitung des PilawUnsere usbekische Gastgeberin bei der Zubereitung des Pilaw

Nach Einbruch der Dunkelheit fuhren wir nochmals zum Registan um Nachtfotos von diesem beeindruckenden Bauwerk zu machen. Schnell zogen wir die Aufmerksamkeit einiger Einheimischer auf uns, die Fotos von und mit uns machen wollten. Ich kehrte am darauffolgenden Abend nochmal zum Registan zur√ľck, um weitere Nachtfotos zu machen.

Die Juwelen von Samarkand - der Registan bei NachtDer Registan bei Nacht

Die Juwelen von Samarkand

Gur-E-Amir Mausoleum

Am n√§chsten Tag begannen wir unsere Besichtigungstour von Samarkand mit einem Besuch des Gur-E-Amir Mausoleums. Dabei handelte es sich um die Ruhest√§tte Amir Timurs, zwei seiner S√∂hne, zwei Enkeln, unter anderem seines Enkels Ulugbek, sowie seines Mentors Sheikh Mirsaijd-Berekte. Urspr√ľnglich hatte Amir Timur das Gur-E-Amir Mausoleum f√ľr seinen 1404 verstorbenen Enkel Muhammed Sultan errichten lassen. Aber¬†Amir Timur, der nur ein Jahr sp√§ter 1405 verstarb,¬†wurde von seinen S√∂hnen und Enkeln ebenfalls hier begraben.

Schon von weitem konnten wir¬†die beiden Minarette und die gro√üe Kuppel sehen, die im Sonnenlicht in verschiedenen Blau- und T√ľrkist√∂nen schimmerte. Durch das imposante¬†Eingangsportal betraten wir den Innenhof. Auch hier kamen wir schnell mit einigen Einheimischen ins Gespr√§ch. Dann gingen wir ins Innere des Mausoleums. Eine Pracht aus Gold empfing uns. Die Decke und W√§nde waren aufw√§ndig verziert und dekoriert. Auf dem Boden standen mehrere sogenannte Kenotaphe,¬†auch als¬†Scheins√§rge bekannt.¬†Der¬†Kenotaph Amir Timurs war schwarz, stand in der Mitte und hob sich dadurch von den hellen Kenotaphen seiner Verwandten ab.¬†Die eigentlichen Grabsteine befanden sich in einer Krypta unter dem Hauptraum, der √ľber einen Eingang von au√üen zug√§nglich war. Wir besuchten die Krypta¬†jedoch nicht.

Die Juwelen von Samarkand - das Gur-E-Amir Mausoleum bei TagDas Gur-E-Amir Mausoleum am Vormittag

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - das imposante EingangsportalDas imposante Eingansportal

Die Juwelen von Samarkand - das Gur-E-Amir Mausoleum

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - aufwändige VerzierungenAufwändige Verzierungen

Die Juwelen von Samarkand - Gur-Amir -Mausoleum

Die Juwelen von Samarkand - das Gur-E-Amir Mausoleum

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - Minarett und VerzierungenMinarett und Verzierungen

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleen - die Kenotaphe (Scheinsärge) im vergoldeten Innenraum Die Kenotaphe (Scheinsärge) im vergoldeten Innenraum

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - vergoldete Decke im InnenraumAuch die Decke im Innenraum ist vergoldet

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - die Fenster im Innenraum sind mit Mukarnakunst umrahmtDie Fenster im Innenraum sind mit Mukarnakunst verziert

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - vergoldete InschriftenVergoldete Inschriften

Die Juwelen von Samarkand - Gur-E-Amir Mausoleum - Mutter mit SöhnenUsbekin mit ihren Söhnen

Der Registan

Als N√§chstes ging es zum Registan, dem wohl ber√ľhmtesten Monument Usbekistans. Registan bedeutet auf tadschikisch Sandplatz. Dieser Platz war einst der pr√§chtigste ganz Zentralasiens. Im Mittelalter war der Registan das Zentrum Samarkands, wo auch das Marktgeschehen stattfand, Verordnungen und Gesetze verk√ľndet, Milit√§rparaden abgehalten und Hinrichtungen vollstreckt wurden, aber es war auch der Ort, wo Frauen damals ihre Gesichtsschleier verbrannten.

Die Kuppeln des Registan schimmerten im Sonnenlicht. Die Stimmung war jetzt eine völlig andere als am Vortag spät nachmittags. Es wird empfohlen, den Registan wegen der unterschiedlichen Lichtverhältnisse sowohl morgens als auch nachmittags zu besuchen, um alle drei Medresen im Sonnenlicht fotografieren zu können.

Die Juwelen von Samarkand - der Registan am VormittagDer Registan am Vormittag

Sherdor Medrese

Wir begannen unsere Erkundung an der Sherdor Medrese, der rechten der drei Medresen. Sherdor bedeutet Haus des Tigers, da das Eingangsportal zwei Tiger zeigt, die wei√üe Antilopen jagen. Die Sherdor Medrese wurde zwischen 1619 und 1636 auf Veranlassung von Yalangtush Bakhodur, dem damaligen Herrscher Samarkands erbaut. Sie ist praktisch eine Kopie der √§lteren Ulugbek Medrese, liegt genau gegen√ľber und hat dieselbe Fassadenl√§nge und Konstruktion wie diese. Anders als die Ulugbek hat die Sherdor Medrese¬†jedoch keine Wintermoschee, daf√ľr aber zwei zus√§tzliche Gebetsr√§ume in den Ecken an der Vorderseite der Medrese. Auch die Fassadendekoration ist anders.

Wir besichtigten die Sherdor Medrese in aller Ruhe, bewunderten die Kuppeln und Minarette, die wunderschönen Wandmalereien, Dekorationen und Majolikafliesen und bummelten durch den schönen Innenhof. Dort und teilweise auch in den ehemaligen Studentenzellen hatten sich usbekische Händler niedergelassen, die Seide, Kunsthandwerk und Souvenirs verkauften. Doch ähnlich wie im Gur-E-Amir-Mausoleum trafen wir auch hier nicht nur ausländische, sondern viele einheimische Besucher.

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - die Sherdor MedreseDie Sherdor Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - der Innenhof der Sherdor MedreseDer Innenhof der Sherdor Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - der Innenhof der Sherdor Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - Händler im Innenhof der Sherdor MedreseHändler im Innenhof der Sherdor Medrese

Nach der Besichtigung der Sherdor Medrese gab uns Guly Zeit, sowohl diese als auch den Registan-Platz alleine zu erkunden, bevor wir gemeinsam die Ulugbek Medrese besuchten.

Ulugbek Medrese

Diese liegt auf der linken, der Westseite des Ensembles und ist die älteste der drei Medresen des Registan. Sie wurde zwischen 1417 und 1420 vom Astronom, Mathematiker, Wissenschaftler und Timuriden-Herrscher Ulugh Beg erbaut und beherbert eine Moschee, Unterrichtsräume und Studentenzellen. Im 15. Jahrhundert galt sie als die beste Universität der muslimischen Welt. In Anlehnung an die Interessen des Astronomen Ulugh Begs ist die Medrese mit Sternenmotiven dekoriert.

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - die Ulugbek und die Tilla Kori MedreseDie Ulugbek Medrese (links)

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - die Ulugbek Medrese

Tillakori Medrese

Die Tillakori Medrese liegt in der Mitte, auf der Kopfseite des Registan, zwischen der Sherdor und der Ulugbek Medrese. Sie wurde zwischen 1641 und 1660, ebenfalls von Yalangtush Bahadur, erbaut und ist die j√ľngste der drei Medresen. Sie ist gr√∂√üer als die Ulugbek und die Sherdor Medrese und beherbergte nicht nur eine Hochschule und Studentenzellen, sondern auch eine Freitagsmoschee. Tillakori hei√üt vergoldet und dieser Name wurde der Medrese aus gutem Grund gegeben: der Hauptsaal der Freitagsmoschee ist reich vergoldet, √ľppig¬†verziert¬†und genau wie das Eingangsportal der Tillakori Medrese mit Muqarnas ausgestattet.¬†Muqarnas sind¬†„spitzbogenartige Elemente, die in- und √ľbereinander gesetzt sind, um so einen √úbergang zwischen der Nische und der Wand bzw. zwischen den W√§nden und der Kuppel zu bilden“ (Wikipedia).

Wir bummelten durch die Freitagsmoschee und konnten uns kaum sattsehen. Doch auch der Innenhof der Tillakori-Medrese mit seinen schattenspendenden Bäumen und Sitzbänken war wunderschön. Auch hier und in den ehemaligen Wohnzellen gab es usbekische Händler die Keramik, Seide Kunsthandwerk und Souvenirs anboten.

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - die Tilla Kori MedreseDie Tillakori Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - Detail im Eingangsportal der Tillakori MedreseDetail im Eingangsportal der Tillakori Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - die Freitagsmoschee in der Tillakori MedreseTorbogen mit Muqarnas in der Freitagsmoschee

Die Juwelen von Samarkand - der Registan - Decke der Freitagsmoschee in der Tillakori MedreseDecke der Freitagsmoschee

Die Juwelen von Samarkand - die blaue Kuppel der Tillakori Medrese Die blaue Kuppel der Tillakori Medrese

Die Juwelen von Samarkand - Innenhof der Tillakori MedreseInnenhof der Tillakori Medrese

Die Juwelen von Samarkand - der Innenhof der Tillakori Medrese

Auch nach dem Besuch der Ulugbek und der Tillakori Medrese gab uns Guly jeweils ausreichend Zeit f√ľr eigene Erkundungen und um Fotos zu machen.

Siyob Bazaar

Nach unserer ausgiebigen Besichtigung des Registans und seiner drei Medresen spazierten wir an der Bibi Chanum-Moschee vorbei zum Siyob Basar. Dieser war kleiner als der Chorsu Basar in Tashkent, doch auch der Siyob Basar war ein lebhafter Markt, wo man getrocknete Fr√ľchte, aber auch frisches Obst und Gem√ľse, Gew√ľrze und N√ľsse, traditionelle S√ľ√üigkeiten, Honig, Milchprodukte und Brot kaufen konnte. Auch wenn dieses Brot auf den ersten Blick genauso aussah wie das f√ľr die L√§nder entlang der Seidenstra√üe typische runde Brot mit dem Stempel in der Mitte, das ich schon vom Chorsu Bazaar in Taschkent sowie von meiner Reise entlang der chinesischen Seidenstra√üe kannte, so ist das Samarkand-Brot anders. Hierf√ľr wird ein spezielles einheimisches Mehl verwendet. Insgesamt 17 verschiedene Brotsorten gibt es. Doch man konnte auf dem Siyob Basar nicht nur Brot kaufen, sondern auch probieren, die H√§ndler bestanden sogar darauf. Es wurde gehandelt, gescherzt und gelacht. Der Basar war nicht nur Markt- und Handelsplatz, sondern auch Treffpunkt und der Ort, wo die Einheimischen die wichtigsten Neuigkeiten erfahren konnten.¬†Ein H√§ndler ging herum und verkaufte Safran f√ľr einen US-Dollar.

Die Juwelen von Samarkand - Händlerin auf dem Siyob BasarHändlerin auf dem Siyob Basar

Den Nachmittag hatten wir zur freien Verf√ľgung, um Samarkand individuell erkunden zu k√∂nnen. Einige meiner weiblichen Mitreisenden und ich fuhren mit dem Taxi ins Hotel zur√ľck. Es war Mitte Juli, sp√§ter Mittag und drau√üen herrschten Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad Celsius. Die Sonne brannte und ich hatte das Gef√ľhl, mich zun√§chst etwas abk√ľhlen zu m√ľssen, bevor ich bereit war, mehr von Samarkand zu sehen.

Die Bibi Chanum-Moschee

Etwa zwei Stunden sp√§ter kehrte ich zur Bibi Chanum-Moschee zur√ľck. Im 15. Jahrhundert war der Komplex dieser Moschee der pr√§chtigste und beeindruckendste der islamischen Welt. Amir Timur hatte diesen f√ľr seine Lieblingsfrau Bibi Chanum erbauen lassen. Daf√ľr verpflichtete er Architekten, K√ľnstler und Handwerker aus Aserbaidschan, der Provinz Fars im heutigen Iran, Indien und vielen anderen √∂stlichen L√§ndern. Als Timur von einem seiner Feldz√ľge aus Indien zur√ľckkehrte, war der Komplex zwar fertiggestellt, doch Timur war nicht zufrieden und er lie√ü zwei seiner Architekten hinrichten. Einer Legende zufolge nutzte Bibi Chanum eine der n√§chsten Abwesenheiten Amir Timurs, um die besten Architekten, K√ľnstler und Arbeiter mit der Vollendung zu beauftragen und besuchte die Baustelle in der Folge regelm√§√üig. Der Haupt-Architekt verliebte sich in Bibi Chanum und forderte sie auf, ihn im Gegenzug f√ľr die Fertigstellung der Moschee zu k√ľssen. Zun√§chst lehnte sie ab, doch schlie√ülich gab sie nach, da sie f√ľrchtete, dass die Moschee sonst bei der R√ľckkehr Amir Timur nicht fertig sein w√ľrde. Als dieser von dem Kuss erfuhr, wollte er sie hinrichten lassen, in dem er sie von einem der Minarette stie√ü. Sie bat jedoch darum, zur Exekution alle ihre Seidenkleider tragen zu d√ľrfen. Als sie vom Minarett gesto√üen wurde, funktionierten ihre Kleider wie ein Fallschirm und sie erreichte den Boden unversehrt.

Im Laufe der Jahrhunderte verfiel die Bibi Chanum-Moschee. Mitte des 20. Jahrhundert war¬†sie nur noch eine sch√∂ne Ruine. Seit einigen Jahrzehnten wird der Komplex jedoch umfangreich restauriert. Auch w√§hrend meines Besuches wurden hier Renovierungsarbeiten durchgef√ľhrt. Ich betrat die Anlage durch das gro√üe, aufw√§ndig verzierte¬†und mit Kufi-Inschriften versehene Hauptportal, das trotz einiger Makel immer noch sehr beindruckend war. Im Innenhof befanden sich einige schattenspendende B√§ume und B√§nke, die zum Verweilen einluden. Im Zentrum stand ein gro√üer Koranst√§nder aus Stein, der fr√ľher dem Osman-Koran gedient haben soll, den Timur von einem seiner Feldz√ľge mitbrachte und der heute in einer speziellen Kammer in der Barak-Khan-Medrese in Tashkent aufbewahrt wird. Es war trotz der Restaurierungsarbeiten leicht sich vorzustellen, wie prachtvoll die Bibi Chanum-Moschee einst gewesen sein muss. Der sp√§te Mittag, den ich als¬†Tageszeit f√ľr meinen Besuch gew√§hlt hatte, war jedoch nicht ideal. Die Sonne stand so, dass ich bei einigen Fotos, die ich machen wollte, Gegenlicht gehabt h√§tte und viele Fotos deswegen nicht machte.

Die Juwelen von Samarkand - die Bibi Chanum MoscheeDie Bibi Chanum Moschee

Die Juwelen von Samarkand - Bibi Chanum-Moschee

Die Juwelen von Samarkand - die Bibi Chanum Moschee - das Eingangsportal mit dem Koranständer davorDas Eingangsportal vom Innenhof aus gesehen, mit dem Koranständer im Vordergrund

Die Juwelen von Samarkand - die Bibi Chanum Moschee - die Kuppel vom Innenhof aus gesehenEine der Kuppeln vom Innenhof aus gesehen

Die Juwelen von Samarkand - Frauen vor der Bibi Chanum MoscheeFrauen vor der Moschee

Die Juwelen von Samarkand - die Bibi Chanum Moschee von außenDie Bibi Chanum Moschee von der Seite aus gesehen

Die Juwelen von Samarkand - die Bibi Chanum Moschee vom Bibi Chanum Mausoleum aus gesehenDie Moschee vom Bibi Chanum-Mausoleum aus gesehen

Das Bibi Chanum-Mausoleum

Anschlie√üend ging ich zum Bibi Chanum-Mausoleum, das genau gegen√ľber lag. Wie die Bibi Chanum-Moschee hatte auch das Bibi Chanum-Mausoleum eine t√ľrkis-glasierte Kuppel, doch davon abgesehen war die Architektur hier sehr viel schlichter. Ein kreuzf√∂rmiger Innenraum empfing mich. Das Bibi Chanum-Mausoleum soll die Gr√§ber von Bibi Chanum, ihrer Mutter und drei ihrer Nichten enthalten. Nachdem ich den Eintrittspreis und eine Fotogeb√ľhr bezahlt hatte, durfte ich eine Etage hinuntergehen, wo die S√§rge von Bibi Chanum und ihren Verwandten standen. Zwei von ihnen standen in einer Nische und waren vollst√§ndig in goldene T√ľcher verh√ľllt. In einer weiteren Nische standen drei S√§rge, die mit gemusterten Teppichen bedeckt waren.

Die Juwelen von Samarkand - das Bibi Chanum MausoleumDas Bibi Chanum Mausoleum

Die Juwelen von Samarkand - Brotverkäufer in der Nähe der Bibi Chanum MoscheeTradition und Moderne: Brotverkäufer mit Smartphone

Shah-i-Zinda – the Avenue of Mausoleums

Vom Bibi Chanum-Mausoleum wanderte ich zu Shah-i-Zinda, der Stra√üe der Mausoleen. Shah-i-Zinda bedeutet „der lebende K√∂nig“.¬†Die Nekropole¬†war schon lange vor Amir Timurs Lebzeiten eine Pilgerst√§tte. Einer Legende zufolge ist dies der Ort, wo Kusam ibn Abbas ibn Abd al Muttalib, ein Cousin des Propheten Mohammed, begraben sein soll. Er soll von Ungl√§ubigen gek√∂pft worden sein, w√§hrend er betete. Um sein Gebet nicht zu unterbrechen, soll¬†er seinen Kopf genommen haben und in eine H√∂hle geflohen sein, wo er sein Gebet beendete, und wo er heute noch im Geheimen leben soll. Deswegen war es eine Ehre hier begraben zu werden, weswegen Timur hier pr√§chtige und majest√§tische Mausoleen f√ľr seine Verwandten und engsten Vertrauten bauen lie√ü.

Es gab zwei Eing√§nge zu Shah-i-Zinda: einen von der Stra√üe aus und einen weiteren, bei dem man zun√§chst einen¬†Friedhof √ľberquert. Ich w√§hlte den Weg √ľber den Friedhof. Bereits von dort konnte ich t√ľrkisblaue und sandfarbene Kuppeln sehen. Ich betrat die Nekropole durch einen schmalen Gang. Die W√§nde waren ebenfalls sandfarben, t√ľrkis und blau und dekoriert mit filigranen Mustern. Durch einen Torbogen bot sich mir ein Blick auf die eigentliche Stra√üe der Mausoleen. Ich war √ľberw√§ltigt. Vor mir und seitlich erhoben sich blaue, t√ľrkis- und sandfarbene Kuppeln und Mausoleen mit aufw√§ndigen Dekorationen und Details. Ich bummelte entlang der Mausoleen und betrat einige von ihnen. Ich sah Betende, aber ich traf auch Einheimische, die hier einfach nur ihre Freizeit zu verbringen schienen. Viele wollten Fotos mit mir machen und nahmen mich in ihre Mitte, aber sie posierten auch f√ľr meine Fotos. Ich war umgeben von und mitten unter den Einheimischen. Ich verbrachte buchst√§blich Stunden in der¬†Nekropole Shah-i-Zinda. Neben dem Registan war Shah-i-Zinda meine Lieblingsort in Samarkand.

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda - der Eingang √ľber den FriedhofDer Eingang √ľber den Friedhof

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda - TorbogenTorbogen mit Blick auf die Straße der Mausoleen

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-ZindaKuppeln und Mausoleen – Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda - Usbekische FamilieUsbekische Familie

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Die Juwelen von Samarkand - Shah-i-Zinda

Abends nahm ich mir ein Taxi zum Gur-E-Amir-Mausoleum, weil ich Nachtfotos vom beleuchteten Monument machen wollte. Von dort lief ich zum Registan, um weitere Nachtfotos zu machen. Ich verbrachte einige Zeit dort und mischte mich unter die Einheimischen.

Die Juwelen von Samarkand - das beleuchtete Eingangstor des Gur-E-Amir Mausoleums bei NachtDas beleuchtete Eingangstor des Gur-E-Amir Mausoleums bei Nacht

Die Juwelen von Samarkand - das beleuchtete Gur-E-Amir Mausoleum bei NachtDas beleuchtete Gur-E-Amir Mausoleum

Die Juwelen von Samarkand - Die seitliche Fassade der Ulugbek Medrese bei NachtDie seitliche Fassade der Ulugbek Medrese

Die Juwelen von Samarkand - die Ulugbek Medrese bei NachtDie Ulugbek Medrese von vorne

Die Juwelen von Samarkand - die Sherdor Medrese bei NachtDie Sherdor Medrese

Die Juwelen von Samarkand - die Tillakori Medrese bei NachtDie Tillakori Medrese

Auf dem R√ľckweg zum Hotel verlief ich mich. Am Vorabend waren einige aus meiner Gruppe und ich von hier aus bereits zur√ľck zum Hotel gelaufen, aber dieses Mal bog ich offensichtlich irgendwo falsch ab. Irgendwann befand ich mich in einer unbeleuchteten, leeren¬†Stra√üe, allerdings konnte ich noch immer die beleuchteten Kuppeln und Minarette des Registans sehen. Als ich weiterging, h√∂rte ich Stimmen, die aus einem der H√§user kamen. Ich klopfte an der T√ľr und zeigte dem Mann, der mir √∂ffnete, die Visitenkarte meines Hotels. Er sprach kein Englisch, aber er gab mir mit Gesten zu verstehen, dass ich warten solle. Statt mir jedoch den Weg zu meinem Hotel zu beschreiben, begleitete er mich bis dorthin und sorgte daf√ľr, dass ich sicher ankam. Abgesehen von der Sch√∂nheit der majest√§tischen und prachtvollen Monumente – den Juwelen von Samarkand – waren es die Herzlichkeit, die Aufgeschlossenheit und die Gastfreundschaft, die meinen Aufenthalt in Samarkand zu etwas ganz Besonderem machten.

Tipps und Informationen zu Samarkand

Ich bin mit G Adventures* auf deren Best of Uzbekistan*-Tour durch Usbekistan gereist.

Wir waren zwei N√§chte im Hotel Malika Dijyora.*¬†¬†Es war zentral gelegen und befand sich fu√ül√§ufig zum Registan. Es war ein sch√∂nes Hotel mit sehr netten Angestellten, einem guten Fr√ľhst√ľcksbuffet und einem kleinen Swimmingpool. Aber man sollte von letzterem nicht allzu viel erwarten. Als ich Mitte Juli 2016 dort war, war das Wasser nicht sehr tief, daf√ľr aber ziemlich warm, sodass man eher das Gef√ľhl hatte, in einer Badewanne zu sitzen.

Besucht den Registan zweimal, einmal morgens und einmal am sp√§ten Nachmittag. Auf diese Weise k√∂nnt Ihr alle drei Medresen im Sonnenlicht fotografieren. Besucht die Bibi Chanum-Moschee, wenn m√∂glich,¬†nicht am sp√§ten Mittag oder fr√ľhen Nachmittag. Das war die Tageszeit, zu der ich da war, und ich hatte starkes Gegenlicht, was zum Fotografieren nicht gut ist.

Wenn Ihr den¬†Registan¬†zweimal am selben Tag besuchen m√∂chtet, sagt¬†das bei der Einlasskontrolle. Dann wird dies auf Eurem Ticket vermerkt, und Ihr m√ľsst den Eintritt nur einmal bezahlen. M√∂glicherweise gilt das auch f√ľr die anderen Sehensw√ľrdigkeiten in Samarkand und √ľberhaupt in Usbekistan, aber sicher wei√ü ich das nicht. Probiert es einfach aus.

F√ľr viele Sehensw√ľrdigkeiten m√ľsst Ihr eine Fotogeb√ľhr bezahlen, wenn Ihr eine Kamera mitbringt. Das gilt nicht nur f√ľr Samarkand, sondern f√ľr ganz Usbekistan. Meistens betr√§gt die Fotogeb√ľhr zwischen 3.000 und 6.000 usbekischen Som (90 Cent und 1,82 US-Dollar/77 Cent und 1,55 Euro) (Stand: Juli 2016). Die Fotos sind diese Extra-Geb√ľhr jedoch meiner Meinung nach mehr als wert.

*Ich bin Affiliate von Booking.com und G Adventures. Das hei√üt, dass ich eine kleine Provision bekomme, wenn Ihr ein Hotel oder eine Tour √ľber die zur Verf√ľgung gestellten Links¬†bucht – selbstverst√§ndlich ohne Extrakosten f√ľr Euch. Alle Affiliate-Links sind mit einem * markiert.¬†Diese helfen mir einen Teil der Kosten f√ľr diese Webseite zu tragen – deswegen tausend Dank im Voraus. Wenn Ihr bereits eine Tour mit G Adventures gemacht habt, bekommt Ihr f√ľnf Prozent Rabatt auf Eure n√§chste Tour, falls Ihr nach Eurer letzten Reise innerhalb eines Monats Eure Evaluation ausgef√ľllt habt. Falls dieser Rabatt nicht automatisch auf Eurer Rechnung erscheint, schickt G Adventures einfach eine E-Mail oder ruft sie an und fragt danach. Dann wird Euch der Rabatt gutgeschrieben. Dass ich Affiliate bin, beeinflusst meine Meinung keinesfalls. Ich empfehle ausschlie√ülich Unternehmen, die ich selber nutze und mag. Ich habe G Adventures und Booking.com schon oft genutzt, bevor ich Affiliate geworden bin.

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